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Vom Arbeiterquartier zum Szenekiez 🏠📈🔍

Geografie-Leistungskurse erkunden den Boxhagener Kiez

Wie verändert sich eine Stadt im Laufe der Zeit? Warum werden einstige Arbeiterquartiere zu beliebten Szenevierteln? Und wer kann es sich am Ende überhaupt noch leisten, dort zu wohnen? Diesen und weiteren Fragen gingen Anfang November die Schülerinnen und Schüler unserer beiden neu eingerichteten Geografie-Leistungskurse bei einer stadtgeografischen Exkursion durch den Boxhagener Kiez in Berlin-Friedrichshain nach.

Mit Herrn Dr. Robert Kitzmann vom Geographischen Institut der Humboldt-Universität konnten wir dafür einen hervorragenden Referenten gewinnen, der die beiden Kurse gemeinsam mit ihren Lehrkräften durch das Quartier führte und ihnen die vielfältigen Prozesse der Berliner Stadtentwicklung unmittelbar vor Ort näherbrachte.

Den Ausgangspunkt bildete zunächst ein Blick weit zurück in die Vergangenheit: Wie haben die letzte Eiszeit, das Berliner Urstromtal und die glaziale Serie die naturräumlichen Voraussetzungen für die spätere Besiedlung und Entwicklung Berlins geschaffen? Von dort spannte sich der Bogen über die historische Kolonie Boxhagen, die Industrialisierung und das rasante Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert bis zur Entstehung der typischen Berliner Mietskasernen.

Im Mittelpunkt der Exkursion stand schließlich der tiefgreifende Wandel des Boxhagener Kiezes seit der Wiedervereinigung: Aus einem traditionellen Arbeiterquartier entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte ein weit über Berlin hinaus bekannter Szenekiez mit angesagten Cafés, internationaler Gastronomie und zahlreichen Geschäften. Doch diese Entwicklung hat auch ihre Schattenseiten: Steigende Mieten, veränderte Eigentumsverhältnisse und die zunehmende Verdrängung langjähriger Bewohner und Gewerbetreibender werfen grundlegende Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und der Zukunft unserer Städte auf.

Anhand konkreter Beispiele im Kiez erfuhren die Schülerinnen und Schüler, wie Prozesse der Gentrifizierung und Gewerbegentrifizierung ablaufen, welche Rolle private Investitionen und staatliche Stadtentwicklungspolitik dabei spielen und wie sich diese Veränderungen auf das Zusammenleben im Quartier auswirken. Immer wieder rückte dabei eine zentrale Frage in den Vordergrund: Wem gehört die Stadt – und wer darf ihre Zukunft mitgestalten?

Bei strahlendem Sonnenschein bot die Exkursion unseren Kursen eine hervorragende Gelegenheit, theoretische Unterrichtsinhalte mit eigenen Beobachtungen im Stadtraum zu verknüpfen und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Ein rundum gelungener Vormittag, der eindrucksvoll zeigte, dass sich geografische Prozesse manchmal am besten dort verstehen lassen, wo sie unmittelbar vor unserer Haustür stattfinden.