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Einhundert Jahre Bauhaus in Lichtenberg

Geschrieben am 5. Oktober 2020 (letzte Änderung: 5. Oktober 2020)

Lichtenberg als Experimentierfeld der Architektur – Bauliche Zeugnisse der Moderne – Wie weit reicht das Bauhaus von damals in das Heute hinein? Ein Projekt der Grundkurse Geschichte bilingual 2019/20 und unserer Gastschülerinnen und -schüler

Das Bauhaus in Lichtenberg

Anlage für das Existenzminimum – Wohnungen für arbeitslose Berlin Ende der 1920er / Anfang der 1930er. Eigenfoto der Schülergruppe 2019

Der Bezirk Lichtenberg wird in Beschreibungen architektonisch bedeutsamer Zeugnisse des modernen Bauens in Berlin fast immer übergangen. Aus diesem Grund bleibt dem öffentlichen Bewusstsein verborgen, dass sich genau hier wichtige Pionierleistungen des Neuen Bauens finden: unter anderem der „Sonnenhof“, die ersten Häuser in Großtafelbauweise oder die Max-Taut-Schule – alle in den 1920er Jahren entstanden.  Daher erkundeten die Schülerinnen und Schüler der eingebundenen Kurse konkrete Beispiele der Bauhausarchitektur im Stadtbezirk und beschäfigten sich mit Fragen des Erhalts, der Pflege und der Nutzung der einzelnen Baudenkmale in der heutigen Zeit.

Dabei:

  • setzten sie sich mit den künstlerisch-ästhetischen, politischen und sozialen Dimensionen und Zielsetzungen der Bauausarchitektur im Rahmen der Weimarer Demokratie und Gesellschaft auseinander,
  • diskutierten die Interessen einer demokratischen Gesellschaft an der Bewahrung und Zugänglichmachung des architektonischen und künstlerischen Erbes des Bauhauses, aber auch die damit verbundenen Herausforderungen (Denkmalschutz und Einbindung in die Geschichtskultur unseres Landes)

Die Schülerinnen und Schüler erschlossen sich Lichtenberger Beispiele für die Architektur der Moderne im Rahmen einer „Stadtteilrallye“ im Weitlingkiez, der Teilnahme an einem Workshop im Mies-van-der-Rohe-Haus (Landhaus Lemke) sowie einer umfangreichen Recherche zum Thema im Archiv des Museums Lichtenberg (Stadthaus).

 

Der Fennpfuhl / Saefkow-Kiez

Modell des Fennpfuhls am Beginn der 1970er Jahre. Archiv Museum Lichtenberg

Darüber hinaus erkundeten die Grundkurse Geschichte bilingual den Fennpfuhl – das unmittelbare architektonische Umfeld des Johann-Gottfried-Herder-Gymnasiums – als einem Beispielkiez für die städteplanerische Gestaltung in der DDR.

Der Fennpfuhl hat – mit Blick auf den Wohnungsbau in der DDR – Baugeschichte geschrieben: Bereits in den 1960er-Jahren entstanden rund um das namensgebende Gewässer des Viertels Wohnbauten, die als „Versuchsbau P2 Fennpfuhl“ in die Plattenbaugeschichte eingingen. Die Konzepte für die Wohnhäuser galten für damalige Verhältnisse als zeitgemäß und fortschrittlich: Wohnungen wurden funktional geschnitten, jeder Zentimeter optimal ausgenutzt. In kurzer Zeit prägte die erste Großsiedlung des komplexen Wohnungsbaus das Gesicht des Fennpfuhls. Das Grundkonzept wurde später für den Wohnungsbau in der DDR weiterentwickelt. Man kann behaupten, dass die Wiege des DDR-Wohnungsbauprogramms im Fennpfuhl liegt. Dabei wurden die konzeptionelle Planung und Umsetzung des Bauvorhabens durch die Prinzipien der Bauhausarchitektur und -raumgestaltung auf der einen Seite sowie die politisch-gesellschaftlichen Vorstellungen und ökonomischen Rahmenbedingungen der DDR auf der anderen Seite geprägt.

Durch Rundgänge und Gesprächsrunden mit einem der leitenden Architekten des Kiezes rund um den Saefkowplatz, Herrn Rühle, sowie dem Lichtenberger Vertreter des Landesamtes für Denkmalschutz, Herrn Dr. Fisch, gewannen die Schülerinnen und Schüler Einblicke in die gesellschaftspolitischen Vorstellungen der DDR-Verantwortlichen, die sich in der Planung und Durchführung der Kiezbebauung niederschlugen, die wirtschaftlichen Probleme, die immer wieder eine Umsetzung der Planungen erschwer-

ten, aber auch die heutige Diskussion einer Aufnahme des Kiezes in denkmalschützerische Programme. Eine ausgedehnte Recherche alter Zeitungsberichte aus der Zeit der Entstehung des Saefkow-Kiezes, Kopien der originalen Baupläne und Kostenaufstellungen sowie zeitgenössischer Interviews mit Erstmietern im Archiv des Museums Lichtenberg (Stadthaus) unter der Leitung des Archivleiters, Herrn Dr. Moldt, ergab eine Fülle weiterer Materialien.

Berliner Zeitung, 10.10.1973 – Archiv Museum Lichtenberg

 

 

Leider verhinderten die Konsequenzen der Corona-Einschränkungen eine Fertigstellung des Lernproduktes zum Fennpfuhl/ Saefkow-Platz. Die gewonnenen Ressourcen werden jedoch in zukünfigen Projekten (u.a.: 50 Jahre Herder, Gestaltung einer entsprechenden Rubrik im Rahmen unserer Schulwebsite) von großem Nutzen sein.

Die Projektarbeit wurde durch das Programm Denkmal.Aktiv der Deutschen Stiftung Denkmalschutz maßgeblich gefördert.

 

 

 

Deutschkurs der Gastschülerinnen und -schüler bei der Überarbeitung der Postertexte

… und dem Skizzieren ihrer Ideen für das Layout der Poster.

Im Ergebnis ihrer Recherchen zu den Spuren des Bauhauses in Lichtenberg entstanden Texte und Gestaltungsskizzen, die als Vorlage für das Erstellen der Poster für eine Galeriewand in unserer Schule dienten:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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