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Lesung Sally Perel: „Ich war Hitlerjunge Salomon“

Geschrieben am 18. April 2014

Am Mittwoch, dem 02.04.2014, fand im Cedio-Saal für die Schüler unserer Schule eine Lesung der Autobiographie eines Zeitzeugen des zweiten Weltkrieges statt.


Seine Biographie veröffentlichte der anwesende Sally Perel unter dem Namen „Ich war Hitlerjunge Salomon“. Schon der Titel des Buches lässt auf ein Schicksal schließen, von dem wahrscheinlich kein anderer erzählen kann.

Sally Perel erzählte von seiner glücklichen Kindheit als Jude in Deutschland – in dem Land, in dem er geboren wurde. Sobald Hitler an die Macht kam und die ersten Rassengesetze erlassen wurden, war Perel gezwungen, mit seiner Familie nach Polen zu flüchten. Damals war Perel erst 10 Jahre alt.

Als er im Alter von 16 Jahren von SS-Männern der Wehrmacht kontrolliert wurde, vergrub er seine Ausweise und gab sich erfolgreich als Volksdeutscher Joseph, später Jupp genannt, aus.

Perel schilderte seine Gedanken in dieser Situation sehr deutlich und ließ seine Zuhörer verstehen, warum er sich entschied, seine wahre Identität, gegen den letzten Rat seines Vaters, zu verleugnen. Perel machte deutlich, dass die Angst um die eigene Existenz größer ist als die, sich seiner Religion zu widersetzen.

Von nun an lebte Perel vier scheinbar endlose Jahre als Nazi in Hitlerdeutschland. Dabei betonte er die schreckliche und unvorstellbare Angst, jeden Moment auffliegen und getötet werden zu können.

Ich persönlich fand es besonders interessant und ergreifend, wie Perel den ständigen Kampf mit sich selbst schilderte. Denn er begann, sich mit der nationalsozialistischen Ideologie zu identifizieren und war letztendlich sogar begeistert von ihr.

Perel war also überzeugt davon, sich selbst, den Juden in ihm, zu hassen und als minderwertig anzusehen. Dass Perel diesen Selbsthass schilderte, fand ich sehr beeindruckend.

Dieses Offenbaren von Menschlichkeit machte die zwei Stunden zu etwas sowohl Besonderem als auch Erschreckendem. Erschreckend, weil Perel klarmachte, wie verlockend es damals war, das Gedankengut der jenseits ihrer Ideologie normal erscheinenden Mitmenschen einfach zu übernehmen.

Die schwerwiegenden Folgen dieses inneren Konflikts wurden vor allem dadurch deutlich, dass Perel noch heute mit Gewissensbissen zu kämpfen hat. Außerdem existiert für Perel kein Gott mehr, wenn dieser Auschwitz und generell all das Leid im zweiten Weltkrieg hat geschehen lassen. Seiner Meinung nach ist Gott damit nicht allmächtig.

Überhaupt halte ich es für sehr mutig, ein derartiges Schicksal mit der Gesellschaft zu teilen und dabei keine Propaganda zu verkünden, sondern Gefühle bedacht zu beschreiben und vor allem zu rechtfertigen.

In seiner gesamten Rede schien es Perel wichtig, der heutigen Jugend zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, solch einen Fehler wie damals nicht noch einmal zu begehen. Denn letztendlich konnte sich die Ideologie der Nazis nur durchsetzen, weil die damalige Gesellschaft zu leicht zu manipulieren war und Hitlers Absichten nicht kritisch genug betrachtete. Solch ein Schicksal soll keine weitere Generation brandmarken. Jeder von uns sollte dazu beitragen, so eine Katastrophe nicht noch einmal geschehen zu lassen. Die Wahrheit über den Holocaust soll bis in die letzte Generation erhalten bleiben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dies eine rundum gelungene Lesung war, deren Intention durch sehr emotionale und tiefgründige Schilderungen des Autors unterstrichen wurde. Ich finde zudem, dass man diese Veranstaltung sehr schätzen sollte, da Sally Perel einer der letzten Zeitzeugen des zweiten Weltkrieges ist und uns die Möglichkeit gegeben wurde, seine Schicksalsschläge mit ihm zu teilen und vor allem daraus zu lernen.

Yasmina Hempel (9b)

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