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Juniorwahl und Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl 2013

Geschrieben am 28. September 2013

Anlässlich der Bundestagswahl 2013 luden wir die Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Berlin-Lichtenberg an unsere Schule zu einer Podiumsdiskussion ein. Dr. Gesine Lötzsch (Linke), Erik Gührs (SPD), Dr. Michael Pätzold (CDU), Bartosz Lotarewicz (Bündnis 90/Grüne), Holger Schwabe (FDP), Denis Sabin (Piraten) und Oliver Snelinski (unabhängig) sagten zu und diskutierten mit den Schülerinnen und Schülern über die Wahlkampfthemen, die sie interessierten: Soziale Gerechtigkeit, Internet-Überwachung und die Eurokrise.


Die Schule hat eine lange Tradition die Schülerinnen und Schüler mit Politikern in Dialog treten zu lassen. Unter anderem waren Richard von Weizsäcker, Rita Süßmuth, Egon Bahr, Wolfgang Thierse, Wolfgang Schäuble, Wolfgang Tiefensee und anlässlich des Europa-Projekttags im Mai 2013 auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bei uns an der Schule zu Gast. Zur Bundestagswahl 2009 nahm Gregor Gysi an unserer Podiumsdiskussion teil.

Die diesjährige Podiumsdiskussion sollte die Schülerinnen und Schüler des Johann-Gottfried-Herder-Gymnasiums auf die Juniorwahl 2013 vorbereiten, eine bundesweite Computerwahl, die die Bundestagswahl mit authentischen Stimmzetteln simuliert. In fast allen PW-Kursen und Geschichtsklassen fand seit dem 2.9.2013 vorbereitender Unterricht zum Thema „Bundestagswahl 2013“ statt. Die von den Schülern gewählten Themen wurden vor allem in den Oberstufenkursen im Hinblick auf die Podiumsdiskussion vorbereitet. Interessierte Eltern waren ebenfalls eingeladen.

Die Wahlkreiskandidaten wurden am Eingang der Turnhalle durch die Schulleiterin Frau Fischer und das Moderatorenteam Leonie Buttgereit (12), Christopher Schreiber (11) und Anja Ruthke (11) begrüßt. In einer kurzen Vorstellungsrunde sollten sich die Wahlkreiskandidaten dann kurz mit Ihrem liebsten Wahlkampfslogan charakterisieren. Der unabhängige Kandidat Oliver Snelinski, der das Mikrophon als erster erhielt, nutze diese Gelegenheit allerdings bereits, um sein Wahlprogramm in 90 Sekunden darzulegen. Hier war eigentlich nur ein Satz gefragt.

In der folgenden Diskussion sollten die Politiker bei jeder Wortmeldung aber tatsächlich jeweils 90 Sekunden Zeit haben, ihre politischen Ansichten darzulegen. Diese Regel wurde durch Antonia Wiescholleck (11) und Filiz Schulze (9b) mit Hilfe eines großen Sanduhrsymbols und einer Stoppuhr durchgesetzt und erwies sich als sehr hilfreich. Das Zeitlimit wurde kaum überzogen und reichte aus, um Positionen angemessen zu erläutern.

Christopher Schreiber (11) bestritt als Moderator das Thema „Soziale Gerechtigkeit“, wobei er die Vertreter der Regierungsparteien mit der Forderung der SPD, der Grünen und der Linken nach einem flächendeckenden Mindestlohn konfrontierte und durch seine Fragen den Unterschied zum Konzept der „tariflichen Lohnuntergrenzen“ herausarbeiten konnte. In den Beiträgen aus dem Publikum wurde deutlich, dass den Schülerinnen und Schülern soziale Gerechtigkeit besonders wichtig ist. Der Vorschlag eines bedingungslosen Grundeinkommens, wie es Herr Snelinski, die Piraten und auch Teile der Linken vorschlagen, wurde aber auch kritisch bewertet und die Frage nach der Finanzierbarkeit gestellt.

Anja Ruthke (11) eröffnete das Gespräch zum Thema Internet-Überwachung, in dem sie die Vertreter der Regierungsparteien nach deren Umgang mit der Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses durch den NSA befragte. Dr. Pätzold von der CDU stellte die Terrorgefahr heraus, die gegen ein berechtigtes Interesse an Privatsphäre abgewogen werden müsse. Holger Schwabe von der FDP betonte die Komplexität des Sachverhalts und wies auf die unterschiedliche Auffassung vom Datenschutz in den USA und Europa hin. Denis Sabin von den Piraten verwahrte sich gegen den Vorwurf, das Thema Internet-Überwachung im Wahlkampf zu wenig thematisiert zu haben und beklagte das mangelnde Interesse der Öffentlichkeit an dem Thema. Im Publikum zeigte sich eine sehr differenzierte Wahrnehmung des Themas als Konflikt zwischen Sicherheit und Freiheit.

Leonie Buttgereit (12) entlockte den Wahlkreiskandidaten die Lösungskonzepte ihrer Parteien zur Eurokrise. Frau Dr. Lötzsch von der Linken beklagte in diesem Zusammenhang, dass bislang nur Banken verstaatlicht wurden, die den Staatshaushalt belastet haben und Herr Lotarewicz von den Grünen stellte die von seiner Partei befürwortete Finanztransaktionssteuer, eine europäische Bankenaufsicht und die Schuldenbremse für Banken heraus. Denis Sabin gab freimütig zu, dass seine Partei keine Lösung für Griechenland habe, aber mehr Demokratie in Europa helfen könnte, die Akzeptanz für Lösungen in den betroffenen Ländern zu schaffen. Dann kritisierte Frau Dr. Lötzsch die SPD massiv für deren Zustimmung zu den Rettungspaketen für Griechenland im Bundestag, was Erik  Gührs  von der SPD, der in dem Moment leider kein Mikrophon hatte, heftig von sich wies und seinerseits die Linke für ihre ablehnende Haltung angriff. Die Beiträge aus dem Publikum zeigten, dass die Schülerinnen und Schüler sich Sorgen über die Schulden machen, die die europäischen Staaten angehäuft haben.

Abschließend bleibt die wirklich gute Leistung der Moderatoren zu würdigen, die es durch ihre klaren Einleitungen zu den Themen, ihre klugen Fragen und die gelungene Verknüpfung von Beiträgen schafften, dem Publikum einen guten Überblick über die zur Auswahl stehenden Kandidaten und ihre Wahlprogramme zu geben.


Hier nun einige Kommentare von Schülerinnen und Schülern, die im Publikum saßen:

„Die Podiumsdiskussion war eine hervorragende Ergänzung zu der Unterrichtsreihe zur Bundestagswahl, da man so Politik hautnah miterleben konnte. Und es nicht nur theoretisch besprochen wurde.“

(Janina Q1)

„Ich fand die Podiumsdiskussion sehr interessant, vor allem weil man die Wahlkreiskandidaten live erlebt hat und sie danach besser einschätzen konnte, als wenn man die Wahlplakate gesehen hätte.“

( Julia Q)

„Leider war die Podiumsdiskussion für mich keine richtige Diskussion, sondern eher ein Austausch von Standpunkten, welche ich schon aus den Wahlprogrammen kannte.“

(Alexa Q1)

„Die Podiumsdiskussion hat mir sehr gefallen, auch wenn mit besseren Fragen des Publikums mehr Inhalte und Konflikte offenbart worden wären. Man konnte in kurzer Zeit viel über die einzelnen Kandidaten erfahren und sich ein Urteil bilden. Solche Projekte sind sehr sinnvoll, um das politische Interesse von Schülern zu stärken.“

(Joleen Q1)

„Mir hat die Juniorwahl besonders gefallen. Aber auch die Podiumsdiskussion hat mir gut gefallen, da die ‚Abgeordneten’ nur 90 Sekunden hatten, um ihren Standpunkt zu erläutern, sich vorzustellen oder dem ‚Abgeordneten’, der vorher gesprochen hatte, zu widersprechen.“

(Markus 9b)

„Ich fand das „Unterrichtsfach“ Sozialkunde sehr gut. Passend zur Bundestagswahl war es sehr informativ und interessant, wie Deutschland eigentlich geregelt wird. Besonders die Juniorwahlen haben uns einen Ausblick auf die Wahlen gegeben, an denen wir in vier Jahren teilnehmen dürfen. Der Höhepunkt war die Podiumsdiskussion: Die ganzen Politiker zu sehen, wie sie diskutieren und Fragen beantworten war interessant und sehr aufschlussreich. Jetzt können wir wenigstens sagen, wir haben ein wenig Ahnung von Politik.“

(Tue Lan Le (9b)

„…Ich habe viel Neues über die Parteien gelernt, über ihre Ansichten zu Themen, die mich interessieren. Wenn möglich, sollten mehr ähnliche Veranstaltungen in der Schule stattfinden.“ (Ngoc Anh 9b)

„…Es war interessant zu hören, dass nicht jeder Abgeordnete sich in wirklich jedem Punkt mit seiner Partei einig ist.“

(Michelle 9b)

„…Es war interessant die Kandidaten aus nächster Nähe zu sehen, also ihre menschliche Seite. Dadurch hat sich meine Entscheidung bei den Juniorwahlen geändert. … es wäre aber noch schöner gewesen, wenn sie mehr untereinander kommuniziert hätten.“

(Wiebke 9b)

„…Eine sehr unterhaltsame Art sich mit Politik und den Programmen verschiedener Parteien zu beschäftigen.“

(My Q1)


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