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Zwei Lehrerinnen aus Moskau bei Herders zu Gast

Geschrieben am 29. November 2010


Berlin begrüßte uns am 7. November 2010 mit grauem Himmel und unfreundlichem Wetter. Sollte das ein Vorbote für unseren Aufenthalt sein?

Ganz im Gegenteil! Durch den grauen Regenschleier strahlte uns am Montagmorgen die bunte Sonne am Schuleingang entgegen. Und ich betrat mit meiner Kollegin das mir durch unseren Schüleraustausch schon wohl bekannte Gebäude in freudiger Erwartung auf den nun beginnenden Hospitationsaufenthalt. Vom ersten Tag an kamen uns alle Lehrerinnen und Lehrer mit Freundlichkeit entgegen und zeigten große Bereitschaft, uns so viel wie möglich Einblick in den Schulalltag des J.-G-Herder-Gymnasiums zu gewähren.

Wir  Lehrerinnen der Moskauer Partnerschule Nr. 1271 (Schule mit verstärktem Deutschunterricht) sind ins Johann-Gottfried- Herder-Gymnasium gekommen im Rahmen eines Hospitationsprogramms des PAD (Pädagogischen Austauschdienstes)  für die Fortbildung von Lehrkräften, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten. Uns war es wichtig, deutsche Erfahrungen in Methodik und Didaktik zu sammeln, uns mit dem reformierten Schulsystem Berlins bekannt zu machen, unsere landeskundliche Kenntnisse zu erweitern und den Wortschatz zu aktualisieren.

Wir freuten uns sehr  über die freundliche Begrüßung des Schulleiters Herrn Weghoff, der im Gespräch mit uns sein Interesse an der Aufrechterhaltung der Partnerschaft zwischen unseren Schulen bekundete.

Auf unserem Hospitationsplan standen nicht nur Deutschstunden in verschiedenen Klassen und bei verschiedenen Lehrerinnen und Lehrern (Frau Morgenstern, Frau Dr. Hoffmann, Frau Grzesik, Herr Drensek, Herr Rösler, Frau Christann, Frau Mnich), sondern auch Unterricht in den Fremdsprachen Russisch (Frau Krusemark), Bilingual Erdkunde (Frau Zengerling) und Französisch (Frau Welsandt). Um das  Gymnasium noch besser kennen zu lernen, wurde uns auch die Möglichkeit gegeben, anderen Stunden beizuwohnen, wie z. B. Ethik bei Frau Mühlberg, Sport bei Herrn Pietsch, Kunst bei Frau Buschko, Musik bei Frau Aßmus, DS bei Frau Morgenstern.

Bei den Hospitationen in den Unterrichtsstunden im Johann-Gottfried-Gymnasium habe ich beobachtet, das im Unterricht sehr aktiv verschiedene Unterrichtsformen angewandt werden: Gruppenarbeit und Partnerarbeit, Frontalunterricht und Stillarbeit, Kreisgespräch und Rollenspiele, sowie Arbeit in Stationen.

Einen großen Eindruck haben auf uns der Unterricht bei Herrn Wiebe im bilingualen Kurs PW

und die Projekttage der 12. Klassen im Bundesministerium für Finanzen, im Berliner Abgeordnetenhaus und im Bundesrat, gemacht. Wir erlebten ein Rollenspiel zu einem Gesetzgebungsverfahren, bei dem die Schüler die Rollen der Abgeordneten verschiedener Bundesländer in einer Sitzung spielten. Nach einer sehr sachlichen Pro- und Contra- Diskussion wurde das „neue Gesetz“ bei der Abstimmung am Schluss nicht verabschiedet.

Wir finden, dass solche Projekttage für junge Leute von großer Bedeutung sind, denn sie wissen dann bescheid, wie in ihrem Land die Demokratie funktioniert. Für uns waren diese zwei Tage ein großes landeskundliches Erlebnis.

Zu unserer neuen Erfahrung gehörte auch das Gespräch mit Sophie-Teres Herbig über  Aktionen und Aktivitäten der Schülervertretung des Gymnasiums, denn an den russischen Schulen wird normalerweise keine Schülervertretung  gewählt.

Unser Traum war auch mal eine Berliner Bühne zu erleben. Auch dieser Wunsch ging in Erfüllung! Im Rahmen des Deutschunterrichtes der Abitur-Klasse (das Thema “B. Brecht und seine Werke“) besuchten wir das Berliner Ensemble und nahmen sogar an dem Gespräch mit dem Regisseur und den Schauspielern teil.

Leider ist es unmöglich in diesem Artikel alles zu erwähnen, denn es gab so viel Wichtiges und Schönes an jedem Schultag und an jedem Wochenende! Die gastfreundliche Atmosphäre war unter anderem dank der Schüler zu spüren. Die ehemaligen Austauschschüler, die in Moskau waren, erkannten und begrüßten uns freudig. Wir wunderten uns, wie viele Schüler aus dem Gymnasium schon bei uns in Moskau zu Gast waren von Klasse 8 bis Klasse 12 und durch diese vielen bekannten Gesichter kamen wir uns fast wie zu Hause vor.

Einen besonders großen Dank möchten wir unserer Koordinatorin Frau Walach und unseren lieben Gastgebern Frau Kittmann und Frau Aßmus aussprechen. Sie waren zu jeder Zeit für uns da, sind all unseren Wünschen nachgegangen und haben die besten Bedingungen für unsere allseitige und erfolgreiche Fortbildung in und außerhalb der Schule geschaffen.

Die Zeit im spätherbstlichen und regnerischen Berlin schien lang zu sein, verging aber im Nu.

Was bringen wir mit nach Moskau? – Ein schönes Puzzle- Bild vom Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium, das aus vielen einzelnen wertvollen Momenten entstanden ist.

Tatjana

Unsere Partnerschule Nr. 1271

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