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„Holunderblüte“ – Herderschüler treffen Kaliningrader „Film“-Kinder

Geschrieben am 23. November 2010

Am 18.11.2010 besuchten die Russischkurse der 13. Jahrgangsstufe die Vorstellung des Filmes in der Akademie der Künste. Die Akademie lud dazu fünf der im Film auftretenden Kinder sowie den Regisseur und Kameramann ein.


Der Film „Holunderblüte“

Seit Beginn der 90er Jahre beschreibt Volker Koepp in den Filmen „Kalte Heimat“, „Fremde Ufer“, „Die Gilge“ und „Kurische Nehrung“ Geschichte und Gegenwart dieser Region, dokumentiert die politischen und sozialen Veränderungen, die Verelendung der Menschen nach dem Zusammenbruch der landwirtschaftlichen Strukturen, die Entvölkerung der Dörfer und Zersplitterung der Familien.

Viele der Protagonisten aus den früheren Filmen sind nicht mehr aufzufinden, an die alten Häuser und Kirchen erinnern nur noch ausladende Holunderbüsche an den Mauern der Ruinen und verwilderte Obstgärten – eine Zwischenwelt, ihrem Schicksal überlassen, langsam von der Natur wieder zurückerobert.

Mit „Holunderblüte“ kehrt Volker Koepp in die Landschaft des ehemaligen Ostpreußens zurück. Der Film registriert die politischen und sozialen Veränderungen,

Kinder, die sich die Natur spielerisch und kreativ aneignen, die mit Lebenslust und Witz eine kindliche Gegenwelt entwerfen, in der ihre Hoffnungen und Sehnsüchte aufgehoben sind. Der Film begleitet die Kinder des Kaliningrader Gebiets ein Jahr lang durch den Kreislauf der Jahreszeiten und bleibt dabei konsequent in ihrer Perspektive.

Autor/Bearbeitung: Frank Ehrlacher

Anna-Louise Müller (Q1) berichtet über ihre Eindrucke zum Film:

Ich muss ehrlich gestehen, dass mich der Film „Holunderblüte“ sehr überraschte. Schon im Unterricht hatten wir über die Gegend um Kaliningrad gesprochen, die Armut, die Arbeits- und Hoffnungslosigkeit der Menschen dort. Doch war das, was ich im Film sah, nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.

Bereits der Anfang des Films erstaunte mich. Die Landschaften, die gezeigt wurden, waren so unglaublich schön, dass ich mich sofort an meinen Heimatort erinnert fühlte. Mecklenburg und das vormals ostpreußische Gebiet haben doch Einiges gemeinsam. Man merkte gleich, dass das Hauptaugenmerk des Films nicht auf den Problemen der Gegend lag, sondern auf den Träumen der Kinder dieses Umfelds.

Ich hatte erwartet, dass mich dieser Film traurig stimmen würde, doch das tat er nicht, oder nur bedingt. Es war traurig zu sehen, wie diese Kinder dort wohnten, was sie erleben mussten und teilweise noch immer erleben, doch es war schön zu sehen, dass diese Kinder das Träumen und das Kindsein nicht verlernt hatten.

Zudem gab die Musik, die Landschaften und der jahreszeitliche Zyklus der Dokumentation dem Ganzen einen poetischen Anstrich. Alles wirkte natürlich, nichts war gestellt und so konnte ich mich als Zuschauer auch mehr auf den Film einlassen. Zumal ich die Anspielung auf Andersens Märchen überaus treffend fand.

Was mich erst ein wenig verwirrte, doch dann relativ schnell überzeugte, waren die manchmal etwas abrupt wechselnden Szenerien. Ich merkte dann, dass es nicht um das Aufzeigen von Lösungen ging, sondern dass die Darstellung besonderer Momente, die erst durch die Loslösung aus dem alltäglichen Kontext besonders wurden, im Mittelpunkt stand.

Besonders beeindruckt haben mich dabei die Kinder, welche sich offen und freundlich, und vor Allem auch natürlich zeigten. Diese Direktheit hinterlässt Eindrücke, da dieser Film, wenn es auch nicht explizit gezeigt wird, durchaus emotional ist, bzw. Emotionen in dem Zuschauer hervorruft.

Darüber hinaus fand ich es gut, dass die Protagonisten des Films, jetzt drei Jahre älter und auch reifer, mit uns ein Interview geführt haben, was sich aufgrund der Altersunterschiede und der dementsprechend verlagerten Frageschwerpunkte der Fragenden und der ständigen Hin- und Herübersetzung etwas schwierig gestaltete. Die Fragen wurden manchmal etwas knapp beantwortet, was einerseits zeitbegründet war, andererseits auch einfach an den kurzen Ausführungen der Übersetzerinnen lag. Trotzdem fand  ich, dass sich das Interview äußerst angenehm gestaltet hatte, und es hatte auch zu weiterem Nachdenken angeregt.

Insgesamt kann ich persönlich sagen, dass mir der Film „Holunderblüte“ und das anschließende Programm sehr gut gefallen haben, da sie einen emotionalen Eindruck bei mir hinterließen und mir zeigten, dass man nichts zu einseitig betrachten sollte. Hinter jedem Namen steckt doch irgendwo eine Geschichte, und Arbeitslosigkeit und Armut heißt nicht, dass Träume verloren gehen.


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