Interessierte Teilnehmer der zehnten Klassen
bereiten zu Hause jeweils ein Thema vor,
besprechen in den Sitzungen offene Fragen und
üben unter Anleitung von Frau Sieler
das Lösen komplexer Aufgaben.
Und was meint Johann Gottfried Herder dazu?
"… so wäre es sehr töricht,
bei allem, was ich lerne, zu fragen:
„Wozu kann ich's anwenden,
was wird mir's bringen oder helfen?"
Tor, übersiehest du dein Leben und
weißt alle Umstände vorher, in die du kommen kannst?
Weißt du,
was in jedem Geschäft, in jeder Minute
brauchbar oder entbehrlich sei?
…
Also führt der Ausdruck
„dem Leben lernen"
darauf zurück,
dass man sich selbst
in allen seinen Anlagen und Fähigkeiten,
in Seelen- und Leibeskräften zu dem bilde,
was Leben heißt,an sich,
so weit es die Gelegenheit,
Zeit, Umstände verstatten,
nichts roh, nichts ungebildet lasse,
sondern dahin arbeite,
dass man ein ganz gesunder Mensch
fürs Leben und für eine uns angemessne Wirksamkeit
im Leben werde.
Hiedurch bekommt also jeder seine eigne Lektion zu lernen,
die für ihn und für keinen andern gehöret.
Wie einer seine Seelenkräfte,
seine Organe, seine Umstände,
seine Lebenszwecke,seine Kräfte
und das Maß derselben selbst am besten kennt
und durch Erfahrung erprobt,
so lerne er für sich
und für keinen andern,
für sein Leben."
Johann Gottfried Herder „Schulreden“:
aus „Herder – ein Lesebuch für unsere Zeit“; Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1967
Ralf Sachse